Vergangene Woche fand in Orlando die von vielen zuvor als wegweisend bezeichnete IBM Connect 2016 statt. Die Konferenz stand am Scheideweg und jeder war gespannt, wie sich eine Lotusphere außerhalb der gewohnten Swolphin Umgebung anfühlt. hedersoft war dabei, um Eindrücke aus erster Hand zu gewinnen und zu spüren, wo die Reise hingeht. In diesem Blog wollen wir unsere Wahrnehmung schildern und zunächst auf die Konferenz an sich eingehen. In den nächsten Tagen werden wir dann detaillierter über die neuen Produkte, die angekündigten Updates, die technischen Erweiterungen und die Veränderungen innerhalb der IBM berichten.

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Location

Man konnte es förmlich greifen: Jeder war gespannt, wie sich das Hilton als Hotel und Veranstaltungsort anfühlt. Der Mensch, das Wesen welches gerne an Dingen festhält, welche es lieb gewonnen hat und Veränderungen immer sehr kritisch gegenüber steht. Vielleicht passte deshalb ein Motto der Konferenz so gut zur neuen Lokation: Innovation durch Disruption! Kurz gesagt: Man kann nur zu neuen Ufern aufbrechen, wenn man altes vollständig hinter sich lässt. Was für Technologie gilt, galt hier auch für die Konferenz im Allgemeinen und für das Hilton im Speziellen. Man merkte geradezu bei allen Teilnehmern, wie die erste Scheu und Zurückhaltung schnell einer gewissen Begeisterung wich. Das Hotel ist ingesamt ein wenig moderner als das Swolphin. Gut, Fenster lassen sich nicht öffnen und es gibt auch keine Balkone, um sich eine Florida Brise um die Nase wehen zu lassen. Der Fernblick auf Seaworld und jede Menge Parkplätze ist auch eher ernüchternd. Aber das sind auch schon die einzigen Kritikpunkte, mit denen man sehr gut leben kann. Es ist zwar alles weitläufig, aber doch enger beieinander als im Swolphin. Die Expo an zentraler Stelle war sehr gut positioniert. Die Räume waren ausreichend groß und teilweise sogar mit Tageslicht ausgeleuchtet. Vor allem war es für die Anzahl an Teilnehmern (Laut Schätzungen 2.400 – 2.700) vernünftig nicht zu groß dimensioniert. Am Ende der Woche haben wir keine Stimmen mehr vernommen, welche den Ort grundweg ablehnten. Im Gegenteil, die zu Beginn noch einzelnen negativen Stimmen waren verschwunden und sind einer positiven Einstellung gewichen. Die Lotusphere scheint eine neue Heimat gefunden zu haben! Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass dies auch so bleibt und IBM nicht auf die Idee kommt, die Connect in der InterConnect untergehen zu lassen.

20160130_18391120160130_08365420160130_182400Verpflegung

Speis und Trank gab es wie immer zur Genüge. Die Qualität des Angebots hat sich aber unserer Meinung nach deutlich verbessert. Geschmacklich wurde wirklich etwas geboten, unser Kompliment an das gesamte Catering Team. Und man höre und staune: Zu den Kaffeepausen standen neben den üblichen US-take-and-throw-away Bechern richtige Keramiktassen. Viele Teilnehmer schienen damit überfordert, aber für einige Europäer war dies eine nicht unwillkommene Überraschung. Insgesamt muss man konstatieren, dass in puncto Verpflegung ein Sprung nach vorne gemacht wurde. Also auch hier konnte das Hilton überzeugen.

Expo

Die Expo war ziemlich zentral im Konferenztrakt des Hilton untergebracht. Wenn man zwischen den Sessions den Raum wechseln musste, kam man eigentlich unweigerlich an der Expo vorbei und ist oft auch reingegangen, um sich einen Kaffee zu holen oder ein kurzes Gespräch zu führen. Die Größe des Raums und die Anordnung der Aussteller passten hervorragend. Es fühlte sich nie zu voll oder zu leer an. Die Sponsoren hatten unserer Beobachtung nach immer genügend Zulauf am Stand. Wir haben gegen Ende der Konferenz mit einigen Ausstellern sprechen können und das Fazit war durchweg positiv. Im Vergleich zum Swolphin ist dies auch ein Schritt nach vorne.

20160130_20531020160201_09104020160203_163825OGS

Anders als in den Jahren zuvor war die OGS in diesem Jahr ein Zweiteiler. Den ersten Teil eröffnete Jason Silva, Moderator der Show National Geographic’s Brain Games, mit einer Session über die Zukunft der Technologie und wie diese die Menschheit und ihre Gewohnheiten verändern wird. In seinem stakkato ähnlichen Vortrag versuchte er zu vermitteln, technologische Veränderungen als Chance zu begreifen und aufzuzeigen, dass sich das Leben und Arbeiten in der Zukunft sehr verändern wird. Jeff Schick hat die Aussagen aufgenommen und den roten Faden weitergesponnen, indem er aufzeigte, dass IBM sich für diese Zukunft gut gerüstet sieht und schon sehr viel in die sich verändernde Welt investiert. Damit, so Schick, hat IBM einen enormen Vorteil gegenüber dem Mitbewerb.

Es folgte eine schöne Geschichte, welche zeigt, dass Technologie einen direkten Einfluss auf das Leben vieler Menschen haben kann. Afrikanische Unternehmer setzen IBM Technologie ein, um mit Landwirten und Abnehmern einen fairen Handel zu etablieren auf einem Grund, der zuvor von Korruption und Misstrauen bewirtschaftet wurde. Durch die gewonnene Transparenz hat ein Umdenken eingesetzt, welches zum Vorteil aller gereicht, indem Landwirte faire Preise erhalten und Unternehmen durch bessere Koordination geringere Kosten und damit auch höhere Gewinne erzielen. Dies führt dazu, dass es schlussendlich allen besser geht. Ein weiteres Beispiel in diesem Sinne ist das „Texas General Children’s Hospital“, welches mit Hilfe von IBM Technologie alle 9.500 Mitarbeiter an 60 Standorten zusammenführt, um immer das beste Ergebnis im Sinne der Patienten zu erzielen.

Zum Abschluss des ersten Teils wurde das Engagement der IBM in Hochschulen in den USA gezeigt (Social Student), in welchem Studenten mit IBM Technologie (IBM Connections) versorgt wurden, um landesübergreifend Projekte durchzuführen. Wir würden uns im Sinne der Zukunft wünschen, dass dieses Programm fortgeführt und ausgebaut wird und möglichst schnell auch in Deutschland etabliert wird.

Im zweiten Teil war dann endlich Demo Time. Sarah Gibbons (Senior User Experience Designer and Design Thinking Catalyst) und Chris Crummey (Execute Director of Customer Experience and Evangelism) zeigten die Zukunft von IBM Verse und IBM Connections samt ihrer mobilen Apps anhand eines fiktiven Beispiels. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die kognitiven Erweiterungen im Zusammenspiel mit IBM Watson gelegt. Ein Highlight ist sicher die neue Landing Page, die den Activity Stream nach Wichtigkeit und Themen in Form von Cards anzeigt. Damit soll ein wenig „überlaufenden“ Streams entgegengewirkt werden, indem erneut durch den Einsatz kognitiver Methoden wichtiges von unwichtigem getrennt wird. Es störte nicht sonderlich, dass die Demos samt und sonders als Video eingespielt wurden, da die beiden sehr gut vorbereitet und unterhaltsam waren, Im Anschluss wurden die Neuigkeiten im Bereich Digital Experience vorgestellt.

Dann folgte: Project Toscana! Ein neues Produkt, welches IBM in diesem Jahr auf die Schiene bringen will. Project Toscana bietet Persistent Chat Funktionen, wie wir sie von Skype, WhatsApp oder Slack kennen. Das ist zwar kein neu erfundenes Rad und der Mitbewerb hat hier sicherlich einen Vorsprung, aber die Integration in das bestehende Produktportfolio könnte der entscheidende Faktor sein, warum Toscana trotzdem erfolgreich sein kann. Toscana wird zunächst nur in der Cloud verfügbar sein. Es gab noch keine Ankündigungen zu Plänen, Toscana on premises zur Verfügung zu stellen. Da sich IBM aber immer damit brüstet, der einzige Anbieter zu sein, bei dem man die Wahl hat, in die Cloud zu gehen oder on premises zu bleiben, kann man davon ausgehen, dass Toscana auch on premises zur Verfügung gestellt wird. Dies wird aber bestimmt nicht in diesem Jahr geschehen. Dafür soll im zweiter Quartal IBM Verse on premises mit Domino.Next zur Verfügung gestellt werden. Was dabei wahrscheinlich fehlen wird ist die Integration in Apache Solr für die Suche. Die große Frage, die sich stellt, ist ob damit auch die Faceted Search verlorengeht. Das würde IBM Verse das interessanteste Feature rauben, was derzeit für IBM Verse spricht. Die Integration mit IBM Watson ist auch noch ein ungelöstes Problem, welches vermutlich nicht bis zum Jahresende gelöst sein wird.

Zum Abschluss des zweiten Teils gab es noch eine Success Story großen Ausmaßes. Lufthansa hat darüber referenziert, wie IBM Connections nach dem Wechsel von Jive hilft, das Unternehmen produktiver zu machen und besser aufzustellen für die Zukunft.

CGS

Die Closing Session in diesem Jahr gehörte Erik Wahl, seines Zeichens Graffiti Künstler und Keynote Speaker auf verschiedensten Events. Erik hat versucht, den Bogen von der Kunst zur Technologie zu schlagen und uns alle daran erinnert, dass es teilweise förderlicher für die Kreativität wäre, wenn Erwachsene sich mehr an kindlichen Eigenschaften orientieren würden als an die durch die Gesellschaft vorgegebenen Verhaltensweisen von Erwachsenen. Lieber einmal völlig ausbrechen, als immer in den engen Grenzen verschiedener Lebensbereiche unterzugehen. Es war ein sehr unterhaltsamer und anregender Vortrag, der teilweise nachdenklich stimmte aber auch durch verschiedene Live-Graffitti-Performances faszinierte.

20160203_15495220160203_16182820160203_163424Erstes Fazit

Wir waren positiv überrascht und beeindruckt von der sich entwickelnden Stimmung während der Tage in Orlando. Es ist ein gewisser Aufbruch nach dem Umbruch im Gange auch dadurch, dass sich die IBM mit ihren neuen Produkten immer weiter für Business Partner öffnet. Es werden immer mehr APIs zur Verfügung gestellt um bspw. IBM Connections und IBM Verse von außen oder von Innen zu erweitern. Möglichkeiten, die zuvor IBM Notes / Domino vorbehalten waren, nämlich Anwendungen zu entwickeln und die Plattformen zu erweitern, stehen langsam aber sicher auch in der neuen Produktwelt zur Verfügung. Zugegeben, das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen. Als Business Partner sehen wir aber wieder Licht am Horizont, vor allem, weil die Möglichkeiten sowohl on premises als auch in der Cloud zur Verfügung stehen.

Damit wollen wir unseren ersten grundsätzlichen Eindruck abschließen. In den kommenden Tagen werden wir über den Fortschritt in den einzelnen Produkten berichten. Dabei konzentrieren wir uns auf IBM Notes / Domino, IBM Verse und IBM Connections und beleuchten sowohl die angekündigten Features als auch die geplanten und bereits zur Verfügung stehenden APIs.