In den letzten Wochen wird das Thema „Das Ende von IBM Notes/Domino“ wieder ziemlich hochgekocht. Blogeinträge namhafter und weniger namhafter Experten diskutieren über das Ende der Ära Notes/Domino. Titel wie „There is no 9.0.2. Dead. Canceled. Killed.“ sind aber nicht unbedingt hilfreich! Im deutschsprachigen Raum mündete das Ganze in einem Artikel auf heise online.

Es sind zwei – in meinen Augen – gute und in erster Linie sachliche Blogeinträge geschrieben worden.

Heiko Voigt (sit)
– Stefan Lage (acceptIT) – Post1Post2

Wenn es um den Notes Client geht, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit folgendes festhalten: Der Support läuft 2021 aus, eine Weiterentwicklung ist nicht geplant. Meiner Meinung nach ist das auch gut so. Von diesem alten Zopf muss sich IBM trennen.

Das gilt aber nicht für den Domino-Server, hier muss differenziert werden!

Jedes Unternehmen, welches den Notes Client massiv nutzt, muss sich – aber nicht erst seit heute – die Frage stellen, bin ich damit aus technischer Sicht noch richtig aufgestellt. Man muss sich nichts vormachen, RichClient-basierte Anwendungen gehören der Vergangenheit an. Nischenprodukte bilden hier sicherlich die Ausnahme. Der Web-Browser wird oder ist in vielen Bereichen schon jetzt das Frontend der Zukunft. Warum hat eine Firma wie Salesforce solche Erfolge? Warum haben alle großen Player cloudbasierte Lösungen?

Natürlich möchte auch IBM mehr Geschäft mit Cloud im Allgemeinen und cloud-basierten Lösungen machen, aber welcher andere großer Anbieter will das nicht? Und welcher bietet denn tatsächlich noch Software „On Premises“ an, wie es IBM u.a. mit Verse macht?

Wie Stefan Lage in seinem Beitrag schreibt: „Der Domino Server ist zentraler Bestandteil von IBM Verse“. Daher sollte man wirklich erst einmal Ruhe bewahren.

Leider ist die ganze Diskussion überhaupt nur in Fahrt gekommen, weil IBM seit Jahren Dinge ankündigt, die zum großen Teil nicht eingehalten werden. In diesem Jahr hat IBM die Ankündigungen dann (vorerst) vollständig eingestellt. Das mag mit den personellen Veränderungen an der ICS Spitze zu tun haben und/oder der Implementierung von Verse on premises, förderlich ist es sicher weder für IBM, noch für die vielen Business Partner und schon einmal gar nicht für die Kunden. Hier muss endlich ein klarer und verbindlicher Fahrplan her. Und wenn dieser zum Inhalt hat, dass es einige Produkte in der Zukunft nicht mehr geben wird, dann ist das so. Es kann sich aber jeder darauf einstellen anstatt wie aktuell ohne Instrumente durch Nebel zu fliegen.

Wir bei hedersoft sehen uns jedenfalls gut für die Zukunft gerüstet. Domino als Server und Plattform ist und bleibt genial und bekommt mit Verse den modernsten Mail Client, der derzeit am Markt verfügbar ist.

Wir haben nach wie vor Directory, Authorization, Authentication, Replication und die vielen anderen Bausteine, die Domino schon mitbringt. Wir haben aber auch einen hochentwickelten Applikationsserver, der es uns erlaubt, sehr moderne Web- und Mobile Applikationen zu entwickeln. Man nehme also u.a. OSGI (+DOTS), Servlets, REST für serverseitige Dienste und jQuery, HTML5, CSS3, Bootstrap, React.js für das Frontend einer Applikation. Schon ist man in der Moderne angekommen und hat trotzdem Domino optimal im Einsatz. Auch die seit Jahrzenten geschätzten Workfloweigenschaften gehen nicht verloren.

Wir können mit modernen IDEs wie Eclipse, IntelliJ. Webstorm oder Atom arbeiten und sind nicht mehr auf den Domino Designer angewiesen. Wir können mit git unsere Sourcen verwalten, mit Jenkins unsere Tests automatisiert laufen lassen und unsere Anwendungen kompilieren. Wir können maven, gradle, npm u.a. als Paketmanager einsetzen und vieles mehr. Und Domino ist die ideale Plattform, um die Anwendungen laufen zu lassen und den passenden Datencontainer bereitzustellen. Wir können mit nativen mobilen Applikationen auf Domino zugreifen, wir können sogar Daten lokal halten. Und was gewinnen wir auf diese Weise?

Tolles Look&Feel, welches Mehrwerte schafft
Moderne WebApplikationen sind nicht mit Notes Anwendungen vergleichbar, die heute noch vielfach im Einsatz sind. Außerdem lassen sich viele Dinge (Stichwort: Auswertungen, Reporting, Drag&Drop-Mechanismen, …) umsetzen, die mit den Notes-Client schlicht unmöglich waren.

Mobile Integration mit allen Facetten
Ob nativ, hybrid oder web, alle Spielarten der in Zukunft immer wichtiger werdenden mobilen Anwendungen lassen sich prima mit Domino fahren, ohne irgendwelche Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen.

Große Communities und User Bases
Die Notes/Domino Community ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die sehr offen kommuniziert. Sei es über das mit großen Engagement von Christian Güdemann getriebene OpenNTF oder den auf stackoverflow laufenden Support. Wenn wir ehrlich sind, ist dies aber nicht zu vergleichen mit den in der Java- und Webentwicklung engagierten Communities. Diese sind um ein vielfaches größer. Es gibt fast keine Frage, die nicht zigfach beantwortet wurde!

Viele Know-How Träger
Was für die Communities gilt, gilt natürlich auch für die Entwickler selbst. Klassische IBM Notes Anwendungsentwickler schließen sich bald wohl oder übel der Cobol Gemeinde an und waren im Vergleich sowieso nie stark vertreten in der weltweiten Entwicklerschaft. Webentwickler und Javaentwickler jedoch gibt es „wie Sand am Meer“. Es kann also auf eine Menge an Ressourcen zugegriffen werden, die uns bisher verschlossen waren.

Große Unabhängigkeit
Webentwicklung und mobile Entwicklung lässt sich auf Domino selbstverständlich auch mit XPages realisieren. Wir haben jedoch vor Jahren bereits für hedersoft entschieden, dass es im Sinne einer zukünftigen bzw. zukunftsträchtigen Entwicklung, wie sie sich jetzt abzeichnet, möglichst wenig anbieterabhängige Programmierung machen wollen. Wir nutzen zwar die genannten Vorteile von Domino als Datencontainer, sind aber mit unseren Anwendungen – bis auf den Zugriff auf die Daten und die Berechtigungsstruktur – „Domino unabhängig“. Falls IBM also wider Erwarten auch das Ende von Domino einläutet, sind wir definitiv schnell und mit kleinen Schritten mit den von uns erstellten Anwendungen auf einer anderen Datenbank wie bspw. Mongo oder CouchDB unterwegs. Und das, ohne die Codebasis unserer Anwendung berühren zu müssen!

Kosten- und Ausgabenersparnis
Beim Einsatz von browserbasierten Anwendungen können Lizenzkosten gespart werden! Die Investition in moderne Anwendungen ohne eine zu harte Verzahnung mit der Plattform ist gleichzeitig ein Investitionsschutz, denn das Vollständige verlassen der Plattform ist dann nur noch ein kleiner Schritt, sollte er denn nötig werden.

Einfache Integration und Adaption zukünftiger Trends und Entwicklungen
Dadurch, dass Domino als Applikationsserver für die Verwendung von modernen Technologien gerüstet ist und diese sich einfach integrieren lassen, können auch zukünftige Trends leicht adaptiert werden. Bspw. hat Sven Hasselbach in der vergangenen Woche eine rudimentäre Implementierung für die Integration eines node.js Servers auf einem Domino Server bereitgestellt!

Warum habe ich jetzt diese Dinge aufgeführt? Zum einen um dem Leser die hedersoft Philosophie näher zu bringen ;-)… Nein im Ernst: Ich möchte zeigen, dass der Domino Server ganz gewiss nicht zum alten Eisen gehört und sich keine Applikation hinter Lösungen anderer Anbieter verstecken muss. Und ganz ehrlich: Andere kochen auch nur mit Wasser! Oder glaubt tatsächlich jemand, dass Kunden, die z. B. Microsoftprodukte im Einsatz haben, rundum mit Microsoft und deren Politik zufrieden sind?

Wir Business Partner müssen die Bewegründe von Kunden bezüglich eines Wechsels noch besser verstehen und beraten. Kunden sollten bei Ihren Entscheidungen nicht alles in Schwarz und Weiß unterteilen. Es gibt viele Grautöne, die ein Unternehmen prüfen und bewerten sollte, bevor eine Entscheidung für einen kompletten Wechsel getroffen wird!

Ich glaube, dass IBM etwas aus dem Hut zaubern wird und wenn nicht, dann geht die Welt auch nicht unter…

Gerne stehe ich bzw. die hedersoft für anregende Gespräche, Fragen oder auch Diskussionen zu diesem Thema zur Verfügung! Einfach melden (Telefonisch, per Mail oder über unser Kontaktformular)!