Zwei Tage ist es nun her, dass HCL und IBM im Rahmen der IBM Think in Frankfurt Domino 10 offiziell vor- und bereitgestellt haben. Unter dem Motto #dominoforever wurde die Zukunft eingeläutet und wir waren dabei! Unsere Eindrücke sind sehr positiv bis auf eine kleine Ausnahme, aber dazu später mehr.

Neuerungen in Domino 10

Domino 10 kommt, anders als einige Vorgängerversionen, mit vielen Neuerungen und echten Innovationen daher.

Da ist zunächst die Domino Query Language (DQL) zu nennen, die es erlaubt, in einer einfachen Notation SQL ähnliche Abfragen gegen Domino Datenbanken zu starten. Der Fokus bei der Entwicklung von DQL lag auf der Simplizität und vor allem auf der Performance. Domino Entwickler sind sicher vertraut mit db.search Anfragen, die ähnliche Abfragen erlauben. Im Vergleich dazu ist DQL deutlich schneller. Luis Guirigay hat ein Beispiel genannt: Es wurden zwei Abfragen gegen eine Datenbank mit mehr als einer Millionen Dokumenten gestartet. Die erste db.search Abfrage benötigte ca. 7 Sekunden. Dieselbe Abfrage mit DQL lieferte das Ergebnis in einer Viertelsekunde. Auch wenn diese Zahlen noch zu verifizieren sind und sicher auch ein Stück Marketing enthalten, so sind sehr schnelle Abfragen zu erwarten. Diese können gegen den gesamten Datenbestand abgesetzt werden oder gegen Ansichtenindizes.

Der nächste große Baustein ist die Bereitstellung von node.js mit der Möglichkeit, Dominoobjekte zu referenzieren und in node.js Applikationen zu nutzen. node.js nutzt dabei gRPC, was sehr schnelle Verbindung und die Parallelisierung von Requests ermöglicht. Mit node.js eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten im Rahmen der Anwendungsentwicklung und es öffnet Domino für Javascript Entwickler, wovon es unbestritten deutlich mehr gibt als klassische Domino Entwickler. node.js ist noch nicht in 10.0 enthalten, kann aber im Rahmen einer Beta mit dem Domino AppDev Pack heruntergeladen werden. Es soll fester Bestandteil der Version 10.1 sein, die laut Jason Gary im November veröffentlicht werden soll.

Der dritte große und für viele Unternehmen sicherlich attraktivste Baustein ist das bisher unter dem Projektnamen „NOMAD“ bekannt gewordene Paket „Domino Mobile Apps“. Dieses ist ebenfalls in der Beta Version erhältlich und soll am 31.10. offiziell ausgerollt werden. Domino Mobile Apps erlauben es, bestehende Domino Datenbanken, die normalerweise nur über den Notes Client zu bedienen sind, nativ auf iOS Geräten zu bedienen und dort auch Offline zu nehmen und zu replizieren! Mit Domino Mobile Apps erhalten Unternehmen also unmittelbar die Möglichkeit, Domino Datenbank zu mobilisieren. Auf einer früheren Konferenz hieß es, dass Domino Mobile Apps auch auf älteren Domino Systemen zum Einsatz kommen können. Und das Beste an der Sache ist: Domino Mobile Apps sind Bestandteil der Domino Lizenz und erzeugen somit keine weiteren Lizenzkosten! Domino Mobile Apps für Android sind geplant und in Teilen bereits entwickelt, haben jedoch noch keine Produktreife.

Die Zukunft

Nach dem Verkauf von Notes, Domino, Sametime und Co. an HCL waren viele, so auch wir, sehr skeptisch, wie es mit den Produkten weitergeht. Die Erfahrung der letzten Jahre hat uns doch sehr geprägt. IBM hat viel versprochen und leider sehr wenig gehalten. Die Investitionen in die Weiterentwicklung der Produkte wurde auf ein Minimum reduziert. Termine wurde nicht gehalten, alles war immer „Subject to change“. Dazu kam der unsägliche Umgang mit der Länge der Wartung und des Supports, der bis „mindestens 2021“ laufen sollte, was zu viel Unsicherheit sowohl bei Business Partnern als auch und in erster Linie bei Kunden geführt hat. Dies hat sehr viel Frust angestaut und viele Kunden dazu bewogen, Notes/Domino den Rücken zu kehren und nach alternativen Plattformen zu schauen und dorthin zu migrieren.

Der neue Spirit, den HCL seit Monaten auf verschiedenen Events verbreitet, die Ankündigungen und vor allem die Einhaltung dieser, macht sehr viel Hoffnung darauf, dass der Abwärtstrend gestoppt werden könnte. Die Stimmung auf dem Launch Event in Frankfurt und dem DNUG Event am Vorabend war äußerst positiv. Man muss klar konstatieren: Domino hat wieder eine Zukunft!

Mit dem neuen Release Domino 10 beginnt ein neuer Wartungs- und Supportzyklus von 8 Jahren. Für das kommende Jahr ist Domino 11 angekündigt, 2020 soll Domino 12 erscheinen. Jede Version stellt den Wartungszyklus wieder auf 8 Jahre. Das schafft Sicherheit und schützt die Investition in die Plattform.

HCL hat einen super Job gemacht und will deutlich mehr. Die kommenden Themen sind HCL Places, LowCode Applikationen und weitere Verbesserungen der bestehenden Plattform im Bezug auf Stabilität, Sicherheit und Performance.

Ein Wermutstropfen

Bei all der berechtigten Begeisterung muss es trotzdem erlaubt sein, auf negative Eindrücke hinzuweisen. So gut das Launch Event organisiert war, so professionell es durchgeführt wurde, so schade ist es, dass HCL kein Bestandteil der offiziellen Veranstaltung war und auch kaum Erwähnung fand. Trotz der Anwesenheit von Richard Jefts, Barry Rosen, Jason Gary und Co. kam kein HCLer zu Wort. Es war eine reine IBM Veranstaltung ausschließlich mit IBM Sprechern. Ob das im Sinne einer anständigen und fruchtbaren Partnerschaft ist, darüber kann sich jeder sein eigenes Bild machen.

Fazit

Totgesagte leben länger! Domino hat wieder eine Zukunft dank des richtigen Schritts seitens IBM, das Produkt in die Hände von HCL zu geben und des riesigen Engagements, welches HCL in die Plattform steckt. Die entscheidende Frage dürfte sein: Kann der Abwärtstrend und die Abwanderung der Kunden mit der neuen Version und der angekündigten Strategie gestoppt werden? Wenn dies gelingt und HCL weiter investiert, dann kann es mittelfristig auch wieder gelingen, neue Kunden zu gewinnen. Wir jedenfalls sind sehr positiv gestimmt und glauben an die Zukunft von Domino! Sie auch?